Andere hilfreiche Methoden
Fünf weitere Massnahmen, die zu beachten sind
TEACCH
Struktur gibt Sicherheit — die Welt verstehbar machen
Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten, Informationen zu filtern oder Abläufe ohne Hilfe zu organisieren. Der TEACCH-Ansatz ist ein pädagogisches Konzept, das den Alltag durch „Strukturierung“ und „Visualisierung“ anpasst, um Orientierung zu bieten.
Das Prinzip: Visualisierung
Da viele Autisten „visuelle Lerner“ sind, nutzt TEACCH optische Hinweise, um zentrale Fragen zu beantworten: Was mache ich? Wie lange dauert es? Was kommt danach? Dies geschieht durch bebilderte Tagespläne, räumliche Trennung von Arbeits- und Spielbereichen oder Time-Timer.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Sicherheit & Ruhe: klare Strukturen reduzieren Ängste und Stress massiv | Geringe Flexibilität: spontane Änderungen fallen teils schwer |
| Selbstständigkeit: Aufgaben ohne ständige verbale Hilfe | Aufwand: Umgebung muss individuell und materialaufwendig angepasst werden |
| Individuell: an jedes Entwicklungsniveau anpassbar | Keine Heilung: hilft im Alltag, verändert aber nicht die biologischen Ursachen |
Um den Nachteil der mangelnden Flexibilität auszugleichen, ist die Kombination mit ABA/VB ideal: ABA/VB dient dazu, neue Fähigkeiten aktiv aufzubauen und die Flexibilität im Denken zu trainieren – „der Motor“, der Entwicklung ermöglicht. TEACCH bietet die notwendigen „Leitplanken“, um diese Fähigkeiten im Alltag selbstständig anzuwenden.
Ergotherapie & Sensorische Integration
Ein alltagsnahes, spielerisches Training, das die Reizverarbeitung im Gehirn gezielt ordnet, um sensorische Über- oder Unterempfindlichkeiten zu lindern und die Selbstständigkeit massiv zu stärken.
Bei Autismus und Entwicklungsstörungen liegt der Fokus fast immer auf der Sensorischen Integrationstherapie (SI) nach Jean Ayres. In speziell ausgestatteten Therapieräumen – mit Schaukeln, Hängematten, Kletterwänden oder Bällebädern – setzt die SI-Therapie gezielte körperliche Reize, die sich für das Kind wie ein spannendes Spiel anfühlen, das Nervensystem jedoch hochpräzise auf neurologischer Ebene fordern und fördern.
Sie hilft, die Reizschwelle zu regulieren, die Handlungsplanung zu verbessern (Anziehen, Essen mit Besteck, Fein- und Grobmotorik) und die Körperwahrnehmung zu steigern, was innere Unruhe abbaut und stressbedingte Ausbrüche reduziert.
Auditive Therapien
Stimulation über das Gehör
Sanfte, gezielte Klangtrainingsmethoden, die das Gehirn über das Gehör stimulieren, um die Reizverarbeitung zu optimieren, Ängste zu reduzieren und die verbale Kommunikation spürbar zu erleichtern. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:
- Die Tomatis-Methode: von Dr. Alfred Tomatis entwickelt, nutzt klassische Musik und die „elektronische Weiche“ zwischen hohen und tiefen Frequenzen, ergänzt durch Knochenleitung zur Stimulation des Gleichgewichtssinns.
- AIT (Guy-Bérard-Methode): dämpft gezielt jene Frequenzspitzen, auf die die Person überempfindlich reagiert.
- The Listening Program (TLP): psychoakustisch bearbeitete Musik zur schrittweisen Entwicklung von sensorischer Integration, Gedächtnis und emotionaler Regulation.
- Samonas-Klangtherapie: von Ingo Steinbach entwickelt, mit spektral aktivierter Musik und Naturklängen zur Förderung von Konzentration und motorischer Koordination.
Adressen (Tomatis): activate.ch(kombiniert Tomatis mit integrativer Medizin), centre-tomatis-geneve.ch
Körpertherapien
Sanfte, nonverbale Körperarbeit
Sanfte manuelle Behandlungsformen, die den Körper als Zugang zum Nervensystem nutzen und mit leichtem Druck und minimalen Bewegungen arbeiten, ohne abrupte Manipulationen.
- Craniosacrale Therapie: konzentriert sich auf den feinen Rhythmus der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit; sanfter Druck löst tiefliegende Spannungen, verbessert die Reizverarbeitung und lindert Schlafstörungen.craniosuisse.ch
- Bowen-Therapie (Bowtech): arbeitet mit rollenden Fingerbewegungen an Muskel- und Faszienpunkten; entspannt das Fasziengewebe und stärkt die Körperwahrnehmung.bowenacademy.ch